Das Kloster Rupertsberg als digitales Rekonstruktionsmodell

Hildegardisbrunnen
Idealbild des Hildegardisbrunnens
erstellt aus einem digitalen Modell

Für die Rekonstruktion des Klosters Rupertsberg bildeten die Forschungsarbeiten des Architekten Gerhard Roese die Grundlage. Roese hatte sich bereits 1998 intensiv mit der Baugeschichte und den überlieferten Grundrissen der Klosteranlage beschäftigt und daraus detaillierte Risszeichnungen entwickelt. Auf Basis dieser Pläne entstand ein dreidimensionales digitales Modell des Klosters, das die Architektur des historischen Bauwerks möglichst exakt nachvollzieht.

Arbietschritte
Arbeitsschritte zur
Erstellung anschaulicher Illustrationen

Während im Museum am Strom in Bingen ein physisches Modell der Anlage zu sehen ist, verfolgte die digitale Rekonstruktion ein anderes Ziel. Sie sollte nicht nur die Gebäudeform dokumentieren, sondern als virtuelle Kulisse für historische Illustrationen dienen. Das digitale Modell erlaubt es, das Kloster aus beliebigen Blickwinkeln zu betrachten und Szenen aus unterschiedlichen Perspektiven darzustellen – etwas, das mit einem klassischen Museumsmodell nur eingeschränkt möglich ist.

Durch moderne 3D-Technik und den späteren Einsatz künstlicher Intelligenz konnten aus dem Modell realistische Ansichten erzeugt werden. Gebäude, Höfe, Wege und die umgebende Landschaft ließen sich in atmosphärische Darstellungen verwandeln, die den Eindruck eines tatsächlich existierenden mittelalterlichen Klosters vermitteln. Dadurch entstand eine flexible Grundlage für die Illustration historischer Artikel, Ausstellungstafeln und Rekonstruktionsszenen.

Der Einsatz der KI beschränkt sich auf das farbige Rendern der 3D-Vorlage. Es ist nur einer von vielen Vor- und Nacharbeiten (Graphit/Kohle), die nötig sind, um zu einem gewünschten Illustrationsergebnis zu kommen. Die Arbeit mit künstlicher Intelligenz erweist sich als problematisch, da "Intelligenz" in diesem Falle meint, dass die angebotenen Apps sehr eigenmächtig in Gestaltungsprozesse eingreifen und bei Korrekturen stets ein neues Bild anfertigen, das viele neue Abweichungen enthält, die dem angestrebten Ziel eher entgegenstehen, statt es zu fördern...

Die digitale Rekonstruktion als Ganzes gesehen verbindet trotzdem archäologische und bauhistorische Forschung mit modernen Visualisierungstechniken, wenn auch die "Handarbeit" immer noch dominiert. Sie macht es möglich, die Welt Hildegards von Bingen nicht nur in Grundrissen und Modellen, sondern in lebendigen Bildern erlebbar werden zu lassen.


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